Avatar

HET und Schilddrüse

Kategorie: Hormontherapie-wechseljahre.de » Forum Hormontherapie

15.09.2019 | 11:27 Uhr

Hallo an Alle,

bin 54 Jahre alt und habe seit 5 Jahren keine Mens mehr. Vor ca 15 Jahren wurde bei mir eine SD unterfunktion festgestellt, auf die ich gut eingestellt worden bin mit LT 75.

Im April hab ich mit einer HET (Gynokadin 1 Hub und 100 mg Famenita) begonnen. Der erste Monat war richtig gut mit Höhen und Tiefen, aber ich habe gemerkt, dass mir die HET gut tut. Dann aufeinmal kam eine extreme Antriebslosigkeit und Angstattacken. Bin zum HA, dort wurde festgestellt dass die SD wieder in die Unterfunktion kam ( TSH vor der HET 1,8 jetzt 3,8). Das Thyroxin wurde leicht erhöht, nach 3 Tagen extremes Herzrasen und innere Unruhe. Das wurde dann sofort abgebrochen jetzt bin ich wieder bei LT 75 und es geht mir richtig mies. Mein HA ist überfordert, die Endo sagt, HET abbrechen, Dr. Bohnet meint weitermachen wegen den Knochen und meine FA kennt sich mit SD nicht aus.

Hat jemand von euch eine Lösung ? Oder gibt es einfach KEINE ? Stehe jetzt kurz vor dem Abbruch, so kann ich nicht mehr weiter. 

LG Eisblau

Helfen Sie mit Ihrer Bewertung: Ja, dieses Thema ist hilfreich!

1
Bisherige Antworten
Avatar
Beitrag melden
15.09.2019, 20:57 Uhr
Antwort

Liebe Eisblau,

es ist tatsächlich so, dass das Östrogen die SD-Hormone drückt. Normalerweise ist das kein großes Problem, man nimmt eben etwas mehr LT.

Bei dir ist die Reaktion allerdings ziemlich heftig, einmal dass der TSH-Wert gleich so sehr abschmiert und zum anderen, dass du so heftig auf die Erhöhung des LT reagierst. Man könnte sagen, langsam steigern das L-Thyroxyn. Aber das ist sicher bei so kleinen Mengen schwierig. Oder man nimmt anstatt einen Krümel Thybon dazu.

Ich denke, dass du einfach zu spät mit einer HET begonnen hast. Du schreibst, dass du schon 5 Jahre deine Mens nicht mehr hattest. Also kannst du davon ausgehen, dass du ca. mit Anfang, Mitte 40 in die WJ gekommen bist und dein Körper sich an das geringe Östrogen inzwischen gewöhnt hat und nun eine Erhöhung nicht mehr oder nur schwer toleriert. In diesem Fall bleibt dir tatsächlich nur der Weg, die HET abzusetzen. 

Du könntest natürlich versuchen, erst einmal auf einen halben Hub Ö herunterzugehen und das LT krümelweise alle 6 Wochen zu erhöhen, aber ob das funktioniert, ist fraglich. Es ist schlichtweg sehr spät für eine HET in deinem Fall. Da du noch relativ jung bist, wäre eine HET schon gut gewesen wegen der Knochengesundheit u.a. Aber jetzt noch etwas erzwingen, ist bestimmt auch nicht gut für dich. Offensichtlich hast du dich ja ganz gut gefühlt vorher?

Liebe Grüße und frag ruhig, wenn du noch etwas wissen möchtest.

Lilli

 

 

Avatar
Beitrag melden
16.09.2019, 13:51 Uhr
Antwort

Liebe Lilli,

danke für deine Antwort, die mir sehr geholfen hat.

Ich bekomme diese Woche meine neuen Blutwerte ,auch mit t3 und t4 und dann werde ich mich entscheiden. Mein Hauptproblem ist diese extreme Antriebslosigkeit, bin manchmal nicht mehr in der Lage von der Couch aufzustehen. Das Arbeiten fällt mir sehr, Sport kenne ich schon gar nicht mehr. 

Ich nehme seit ein paar Tagen nur noch einen halben Hub wenigstens sind die Angstattacken dadurch besser geworden. 

Ich habe jetzt viel gelesen und immer lese ich auch dass mir evtl. Das Progesteron helfen könnte. Hast du da eine Idee ?

Thybon? Ich dachte das wird nur eingesetzt bei schlechten t3 Werten ?

Wielange dauert es ca bis sich die SD Werte positiv verändern nach Abbruch der HET ? 

LG Eisblau 

Beitrag melden
16.09.2019, 18:07 Uhr
Kommentar

Hallo, Eisblau,

gut, dass du die freien Werte noch bekommst. Hoffentlich ist der TSH wieder gestiegen und die fts i.O. Manche nehmen Thybon in solchen Situationen, weil manchmal das ft4 nicht gut in t3 umgewandelt wird. 

Ich kann gut nachvollziehen, wie es dir geht. Mache zwar schon seit meinem 40. LJ eine HET. Aber nach einiger Zeit meinte meine Gyn, ich solle das Ö reduzieren. Danach war nichts mehr so wie früher. Ich geriet sofort in ÜF und mein Hausarzt senkte dann die SD-Hormone. Allerdings zu viel, so dass ich nun in UF war und sich ein dicker Knoten am Hals zeigte. Seit dem habe ich mich selbst "weitergebildet" und nun das Geschehen selbst bestimmt. Ich lasse meine Werte regelmäßig bei meiner Endo checken, aber alles andere versuche ich selbst in der Hand zu behalten.

Durch die Hormongabe ist dein gut eingespieltes System durcheinander geraten. Ich denke, es braucht ein paar Monate bis es sich wieder "beruhigt" hat. Natürlich ist man in UF müde, depressiv usw. Die Auswirkungen kennst du ja sicher. Sie ähneln Wechseljahresbeschwerden sehr. Übrigens steht im Beipackzettel für LT unter "Wechselwirkungen" beschrieben, wie die Gabe von Ö sich auf die SD-Hormone auswirkt.

Was das Prog anbetrifft, gibt man es Frauen am Anfang der Wechseljahre, da Prog zuerst vermindert gebildet wird. Bald darauf sinkt auch das Ö kontinuierlich und man gibt dann beides zusammen. Für dich wäre es nicht hilfreich, da du ja in der Postmenopause bist, deshalb so gut wie kein Ö mehr haben dürftest und das Prog allein gegeben in diesem Fall nur negativ auf den Knochenabbau wirken würde.

Wenig tröstlich, ich weiß. Hormone wirken halt leider nicht wie Schmerztabletten - einwerfen und gut ist - sondern haben Auswirkungen auf den gesamten Organismus. 

Hoffentlich kommt bei dir bald alles wieder ins Gleichgewicht. Du hattest ja vorher ausgezeichnete Werte. Warum hast du eigentlich mit der HET angefangen?

LG Lilli 

Avatar
Beitrag melden
16.09.2019, 19:29 Uhr
Antwort

Liebe Lilli,

ich bin dieses Jahr im April zur Krebsvorsoge gegangen, dort hatte ich ein längeres Gespräch mit meiner FA über mein Befinden. Ich hatte psychische Probleme: depressiv, lustlos, Ängste, manchmal sogar Panickattacken. Sie meinte es wird Zeit für eine HET, außerdem wäre es gut für meine Knochen und mein Herz- und kreislaufsystem. Hab meine SD nochmal untersuchen lassen und bei einem TSH von 1,8 ( andere Werte wurden nie genommen), habe ich dann die HET begonnen. Am Anfang mit 2 Hüben Gynokadin und 100 mg Famenita. Das ist mir aber nicht gut bekommen, sehr starke Kopfschmerzen, also bin ich runter auf einen Hub. Und das lief dann ganz gut - meiner Psyche hat es jedenfalls richtig gut getan. Hab auch wieder Sport gemacht. Bis dann im Juni der Einbruch kam und solange hänge ich jetzt in den Seilen, hab dann mit dem Gynokadin auch viel ausprobiert. Am Anfang habe ich es morgens genommen, jetzt seit ein paar Wochen abends.

Ich war jetzt vorhin bei meinem HA wegen den Blutwerten von der Endo. Die Werte sind da, hab aber erst nächste Woche Donnerstag einen Termin bekommen.Dieses Mal hab ich richtig Pech: Blutuntersuchung war Mitte August, dann ging sie in den Urlaub und danach gleich mein HA. Ich warte darauf jetzt mehr als einen Monat. Leider kriege ich die Werte nicht vorab, ich bat die Arzthelferin mir den TSH Wert zu sagen: sie meinte 2,05, das kann ich eigentlich nicht glauben, wäre ja ein Top Wert, dann frage ich mich nur, was läuft schief ? Ich denke einfach sie hat sich verlesen, nächste Woche weiß ich mehr.

Wie ist denn eigentlich dein TSH Wert ? Nimmst du auch Gynokadin ?

Dir einen schönen Abend

LG Eisblau

Beitrag melden
16.09.2019, 20:35 Uhr
Kommentar

Danke.

Mein TSH ist 0,4, meine freien Werte sind so la, la. Ich nehme Prothyrid 50 Mikrogramm und einen Krümel LT, 6,25. Als HET nehme ich 1/2 mg Lafamme. Vorher nahm ich 2/2 mg Lafamme  (2 mg Ö und 2 mg Dienogest) und 50 Mikrogramm Novothyral. Das Prothyrid hab ich mir selbst "verordnet" nach dem niedrigeren Ö und der UF. Damit hab ich das Chaos in den Griff bekommen. Der Knoten ist auch wieder geschrumpft, sodass man ihn äußerlich nicht mehr sieht. 

Nachdem du schon so lange in den Wechseljahren bist, ist es schon erstaunlich, dass sich so spät erst solche Beschwerden gezeigt haben. Man spricht in der Literatur von einem sog. "Open windows". Soll bedeuten, dass es einen Zeitpunkt gibt, bis zu dem man die HET beginnen soll. Verpasst man diesen Zeitpunkt, ist das Fenster eben zu. Das wäre bei dir schon traurig, weil du ja noch viele Lebensjahre vor dir hast. Vor der HET hatte ich übrigens auch große psychische Probleme.

Ruf doch einfach mal bei deiner Endo an und lass dir die Werte mailen. Meine machen das. Vielleicht klappt es ja.

Wenn du das Ö vor Abnahme schon reduziert hattest und deine normalen 75 an LT genommen hast, könnte das schon sein, dass der TSH wieder gesenkt wurde. Allerdings wäre ich bei diesem Wert immer noch in UF.

Ich wünsch dir auch einen schönen Abend.

LG Lilli

Avatar
Beitrag melden
17.09.2019, 21:24 Uhr
Antwort

Liebe Lilli,

warum nimmst du Prothyrid und ich Thyroxin ? Ich bin auch dabei mich in die Materie der SD einzulesen. Bis April habe ich mir da noch keine Gedanken darüber gemacht, da ich ja recht gut eingestellt war. Meine besten TSH Werte waren immer zwischen 0,8 und 1,9 da hab ich mich richtig gut gefühlt. 

Natürlich hatte ich auch vor Jahren schon Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen, aber die hab ich mit einem pflanzlichen Mittel gut hingekriegt. Vor 2 Jahren habe ich die dann abgesetzt. Die Hitzewallungen habe ich eigentlich schon überstanden. Oft frage ich mich, vielleicht kamen meine psychischen Probleme ja überhaupt nicht von den Wechseljahren. Aber irgendwie wollte ich nicht zum Psychiater gehen, da hätte ich sicher AD bekommen und soweit bin ich noch nicht.

Das Lafamme hatte meine FA auch erst auf dem Schirm für mich, da ich aber keine Mens mehr habe meinte sie wäre es besser wenn ich zum Estradiol  ein Prog. nehme. 

Kommt es eigentlich auch vor, dass man durch die HET kein SD Hormon mehr braucht ? Bei mir ist ja anscheinend das Problem, dass LT und das Ö nicht miteinander harmonieren. Was würde passieren, wenn ich das LT ausschleichen würde ?

Dir noch einen schönen Restabend.

LG Eisblau

Beitrag melden
18.09.2019, 09:30 Uhr
Kommentar

Liebe Eisblau,

also, ich denke schon, dass du von Anfang an eine vernünftige HET hättest machen sollen. Die pflanzlichen Mittel haben zwar die gleichen Nebenwirkungen, aber nicht die Wirkung einer HET mit Ö und Prog bzw. einem Derivat. 

Dass du dich mit einem TSH von 0,8 gut gefühlt hast, glaub ich dir gern, allerdings nicht bei einem TSH von 2. Heute weiß man, dass der Normbereich für den TSH zu weit gefasst ist und es viele Patienten gibt, die sich mit einem TSH von 2 in einer latenten UF befinden mit den entsprechenden Symptomen.

Da WJ-Symptome und SD-UF-Symptome sich gleichen, kann man die Ursachen oft nicht exakt auseinanderhalten. Ich denke, dass beides bei dir eine Rolle spielte bzw. spielt.

Was deine SD betrifft - ohne Ö kann man leben, ohne SD-Hormone nicht. 

Dein Arzt hat dir SD-Hormone verschrieben, weil deine SD zu wenig produziert und du in UF warst. Warum, ist mir ja nicht bekannt, ist aber erst mal zweitrangig. Ohne Unterstützung von außen, würde deiner SD vom übergeordneten Organ gesagt, dass sie mehr Hormone produzieren soll. Da sie das nicht kann, versucht sie, die Fläche zu vergrößern, um so mehr produzieren zu können. Das  funktioniert leider nicht, nur dein Hals wird dicker und es entstehen Knoten in der SD. (laienhaft ausgedrückt)

Wenn sich deine SD-Hormone nicht einstellen lassen mit dem Ö, dann müsstest du die HET beenden.

Prothyrid ist ein Kombipräparat mit zusätzlich t3. Damit fühle ich mich fitter. Nach dem Absenken des Ö brauchte ich nicht mehr so viel SD-Hormone. 50 LT war mir aber dann doch zu wenig, sodass ich auf Prothyrid gekommen bin.

Für Hormonumstellungen benötigt der Körper Monate oder auch Jahre (z.B. WJ). Alle Hormone befinden sich in Interaktion. 

Ist alles nicht so einfach.

LG Lilli