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Schwere Depression - Hormone statt Antidepressiva?

Kategorie: Hormontherapie-wechseljahre.de » Expertenrat Hormontherapie | Expertenfrage

12.11.2020 | 21:17 Uhr

Sehr geehrter Prof. Bohnet, 

ich wende mich an Sie bzgl. einer schweren Depression an Sie. Ich bin 36 Jahre. Mit 25 habe ich nach zweijähriger Einnahme der Yasmin die Pille abgesetzt und bin eine Woche später so schwer depressiv geworden, dass ich für dreieinhalb Monate in eine Klinik musste. Ich habe von heute auf morgen unter chronischer Müdigkeit gelitten, dass ich nicht mehr aufstehen konnte, absolute Antriebslosigkeit, tägliche Weinkrämpfe. Die Ärzte haben keinen Zusammenhang zur Pille gesehen. Ich war mir absolut sicher, dass es von der Pille kam, daher habe ich sie einen Monat später wieder genommen. Ich wurde dann auf Venlafaxin (SNRI) hochdosiert eingestellt (225 mg); nach 2 Jahren war ich wieder hergestellt. Ich habe mich von da an nie mehr getraut die Pille abzusetzen. Leider war es auch 11 Jahre (bis jetzt) nicht möglich, dass Antidepressivum vollständig abzusetzen. Nach langer Recherche habe ich erfahren, dass Venlafaxin zur Östrogentherapie eingesetzt wird und 75 mg 0,5 mg Estradiol entsprechen. Ich hatte immer den Verdacht zu wenig Östrogen zu haben. Nachdem ich vor 2 Jahren wieder sehr müde wurde, habe ich mich entschieden die Yasmin erneut abzusetzen (Dezember 2019) und leider ist nun wieder das Gleiche passiert und ich leide erneut unter schwerer Depression und chronischer Müdigkeit. Ich würde lieber Östrogene einnehmen als das Venlafaxin wieder zu steigern, da es schlimmste Nebenwirkungen verursacht. 

Würden Sie mir dazu raten Gynokadin zu versuchen? Mit Progesteron habe ich keine guten Erfahrungen gemacht. Es macht mich müde und steigert den Antrieb nicht.

Meine Östradiol-Werte sind  recht niedrig, allerdings nur in der 1. Zyklushälfte.
Progesteron war auch nach 7 Monaten post pill recht hoch (23,3 ng/ml), nach Auftragen von 2%-Progesteroncreme jedoch umgehend auf 11, dann auf 4 gefallen. 

8 Monate post pill:

Östradiol: 36 pg/ml (3. Zyklustag) 542 (Eisprung), 194 (Lutealphase) 
LH: 4,07 (3. ZT)
FSH: 3,46 (3. ZT)

17-OH-Progesteron (2. ZT) stark erhöht: 1,4 ng/ml; Test-Wiederholung 2,0 ng/ml (Verdacht auf late-onset AGS)--> Gentest-Ergebnis liegt noch nicht vor
AMH: 15 ng/ml 
Androstendion: 3,45 ng/ml 
Testosteron: 79,61 ng/dl
Leichtes PCO vorhanden, allerdings monatliche Eisprünge vorhanden; Hirsutismus 

Falls Gynokadin in Frage käme, wie würde ich es einnehmen? Ab Tag 5 bis kurz vor Eisprung? Aktuelle Zykluslänge etwa 35 Tage. 

Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung und hoffe sehr, dass Sie mir weiterhelfen können. 

Herzlichen Dank vorab.

Beste Grüße aus Düsseldorf

Andrea 

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Bisherige Antworten
Experte-Bohnet
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13.11.2020, 02:55 Uhr
Antwort von Experte-Bohnet

Es tut mir leid, dass Sie so viel durchstehen müssen!

Sie sind ja noch nicht in den WJ; insofern produzieren Ihre Eierstöcke ausreichend Ö. Dies zu Erhöhen mag kaum einen Effekt haben, zumal ja immer Progesteron oder ein Gestagen zusätzlich eingesetzt werden muss.

In den WJ ist dies anders; dann ist die Anwendung von Ö empfohlen und die zusätzliche Verabreichung von AD, wo notwendig, hat sich bewährt.

Ich wünsche Ihnen alles Gute!

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13.11.2020, 10:21 Uhr
Kommentar

Herzlichen Dank, Prof. Bohnet,
für Ihre so zeitnahe Rückmeldung und Ihre Antwort bzgl. Östrogensubstitution.

Was würden Sie in meinem Fall aufgrund meiner Werte und meiner Depression empfehlen?
Sollte ich aufgrund der hohen Androgen- und Testosteronwerte nochmals zu einer Pille greifen, z.B. Valette? Oder wird sich dies noch von alleine normalisieren? Ich bin jetzt 12 Monate ohne Pille.

Ich habe bisher nur Progesteroncreme (2%) verwendet. Wäre ein Ansatz mit Progesteronkapseln vielleicht noch sinnvoll zu versuchen oder würde das meine Müdigkeit/Depression noch verschlimmern? 
Ich bin auch aufgrund des hohen 17-OH-Progesterons verunsichert Progesteron zu supplementieren.

Ich danke Ihnen vorab vielmals für Ihre Antwort.

Herzliche Grüße, Andrea

 

Experte-Bohnet
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13.11.2020, 21:07 Uhr
Antwort von Experte-Bohnet

Mir scheint die zyklische Anwendung einer Progesteron-Kaps mit 200 mg sinnvoll zu sein und zwar ca. 1 Std. vor dem zu Bett gehen!

Progesteron geht praktisch nicht durch die Haut!