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Plötzlich Zwischenblutung bei Femoston 2/10 nach Jahren Einnahme

Kategorie: Hormontherapie-wechseljahre.de » Expertenrat Hormontherapie | Expertenfrage

21.06.2020 | 00:46 Uhr

Sehr geehrter Herr Prof. Bohnet,

ich bin 32 Jahre alt (173 cm, 53 kg) und nehme seit meinem 15. Lebensjahr Femoston 2/10 ein, da ich ohne funktionsfähige Eierstöcke geboren wurde (Gonadendysgenesie mit Streak-Gonaden bei unauffälligem 46XX-Chromosomensatz. Diese wurde im Alter von 13 Jahren diagnostiziert wegen ausbleibender Pubertätsentwicklung.) Außerdem habe ich eine Hashimoto-Thyreoditis seit Kindheit und nehme zur Zeit L-Thyroxin 122 Mikrogramm. Bisher habe ich regelmäßig eine Abbruchblutung beginnend zwischen dem 24. und 26. Zyklustag mit einer Dauer von ca. 5 Tagen gehabt. Jetzt hatte ich zum ersten Mal eine Zwischenblutung an Zyklustag 13-14, also noch in der reinen Östrogenphase. Die Blutung fühlte sich ähnlich an wie eine normale Monatsblutung, mit leichten Unterleibsschmerzen, und das Blut sah auch aus wie bei der normalen Abbruchblutung. Die Blutung war nur etwas schwächer und hörte auch nach zwei Tagen wieder auf. Da in der Packungsbeilage steht, man solle bei Zwischenblutungen so bald wie möglich den Arzt aufsuchen, bin ich also am zweiten Tag der Zwischenblutung zur Frauenärztin gegangen. Diese hat bestätigt, dass es sich um eine Blutung aus der Gebärmutter mit Schleimhautabgang handelt, hat aber im Ultraschall keine Polypen oder Myome entdeckt; die Schleimhautdicke lag bei ca. 5 mm. Sie hat gesagt, es sei alles in Ordnung und ich solle die Femoston einfach weiter einnehmen. Ich bin aber trotzdem noch beunruhigt, da in der Packungsbeilage auch etwas von Gebärmutterschleimhautkrebs steht und ich im Internet gelesen habe, dass das Hauptsymptom dabei unerwartete (Zwischen-)Blutungen aus der Gebärmutter sind.

Daher meine Fragen: Welche Ursache kann diese Blutung gehabt haben? Kann es sein, dass ein harmloser Polyp dafür verantwortlich war, der bei der Ultraschalluntersuchung vielleicht nicht mehr sichtbar war, weil er schon abgeblutet war? Oder sind meine Sorgen wegen Krebs nach dieser langen Einnahmedauer (18 Jahre) doch berechtigt? Würden Sie weitere Diagnostik (Gebärmutterspiegelung, Gewebeprobe aus der Gebärmutter,...) empfehlen? Wie ist das generell mit dem Krebsrisiko (auch Brustkrebs) bei einer Hormonersatztherapie, wenn man sie tatsächlich als Ersatz für fehlende körpereigene Hormone einnimmt und nicht erst "nachträglich" in den Wechseljahren - erhöht sich das Krebsrisiko dann trotzdem genauso oder weniger, weil der Körper ja zu dieser Zeit natürlicherweise auch Hormone produzieren würde?

Und noch eine weitere Frage, wenn ich schon dabei bin: Sagt es eigentlich irgendetwas über den Gebärmutterschleimhautaufbau oder generell aus, dass ich meine Abbruchblutung immer schon vor Ende der zweiten Zyklusphase (beginnend an Tag 24-26) bekomme und nicht erst nach dem Ende der Progesteron-Phase?

Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen!

Freundliche Grüße,
N.N.

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Bisherige Antworten
Experte-Bohnet
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21.06.2020, 07:56 Uhr
Antwort von Experte-Bohnet

Leider verunsichern die Beipackzettel häufig nich nur die Patienten, sondern auch die Ärzte. Es werden auch NW aufgeführt, welche auf 1 zu einer Million auftreten. Das hat jurstische Gründe!

Warum Sie nach so vielen Jahren zum ersten Mal Zwischenblutungen hatten, kann ich natürlich aus der Ferne nicht sagen. Es mag u.a. von der Resorption der Hormone zu tun haben. Nehmen Sie die Tabl. immer z.B. zum Abendbrot? In einem "normalen" Zyklus verläuft die Hormonproduktion dynamisch; dies kann kein Präp nachahmen!

Ich denke, Ihre FÄ hat alles richtig gemacht und Sie brauchen siche keine Sorgen zu machen! Generell heißt es, dass natürlich mit zunehmenden Alter u.a. auch Brustkrebs auftreten kann. Laut Beobachtungsstudien nimmt die BK-Häufigkeit unter der langj. Einnahme dieser Hormonkombination allenfalls gering, wenn überhaupt zu; ggf. können Sie den Hersteller kontaktieren.

Im Grunde brauchen Sie keine sog. Abbruchblutungen; deshalb könnten Sie auch die "Conti-Variation" des Präps einnehmen.

Ist Ihre Knochendichte dokumentiert?

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25.06.2020, 20:15 Uhr
Kommentar

Vielen Dank für Ihre Antwort, das beruhigt mich ein bisschen! Wegen des Brustkrebsrisikos lasse ich auch ein mal im Jahr einen Brustultraschall machen.Für Gebärmutterkrebs liegt aber demnach durch das Femoston kein signifikant erhöhtes Risiko vor?

Warum soll man die Tabletten zum Abendbrot einnehmen? Ich nehme sie bislang immer morgens eine halbe Stunde vor dem Frühstück zusammen mit der Thyroxin-Tablette. Ich weiß zwar (mittlerweile), dass die Wirkung des Thyroxins durch das Östrogen beeinträchtigt wird, aber wenn ich es immer gleich mache und die Thyroxindosis darauf angepasst ist, müsste das doch in Ordnung sein, oder?  Die Knochendichte wurde noch nie gemessen, ich hatte aber auch noch nie einen Knochenbruch.

Experte-Bohnet
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26.06.2020, 06:43 Uhr
Antwort von Experte-Bohnet

Die Eierstockshormone sind im Gegensatz zu den SD-H fettlöslich und werden während einer Mahlzeit aufgenommen am besten resorbiert. SD-H nüchtern mit Wasser. Ö kann u.a. auch den Tiefschlaf verbessern! Also eine Umstellung wäre sinnvoll, ohne dass die Dosis von L-T geändert werden müsste!

Bei jeder Frau in den WJ sollte die Knochendichte dokumentiert sein!