Keine WJ Symptome - warum Cyclo Progynova?

Kategorie: Hormontherapie-wechseljahre.de » Expertenrat Hormontherapie | Expertenfrage

26.02.2019 | 14:36 Uhr

Sehr geehrter Herr Professor Dr. Bohnet,


ich bitte Sie um Ihren Expertenrat zum Thema „Vorzeitige Wechseljahre“ und „Hormonersatztherapie mit Cyclo Progynova“.

Vorab einige wichtige Infos, für die ich etwas ausholen muss:

Ich bin Anfang 30. Ich habe 16 Jahre die Pille genommen und hatte dadurch einen Bilderbuchzyklus (28 Tage, 5 Tage Dauer, normal stark). Anfang letzten Jahres habe ich die Pille aufgrund Kinderwunschs abgesetzt, es folgte eine Abbruchblutung von 5 Tagen. Bei der jährlichen Vorsorgeuntersuchung und in Vorbereitung auf den Kinderwunsch wurde auch mittels Ultraschall untersucht (organisch alles i.O).
Dann begann das „Dilemma“. Kein Zyklus für 135 Tage. Ich bin dann zur FÄ und wurde von ihr gebeten, mich in Geduld zu üben. Ein Jahr Zyklusschwankungen wäre normal, das würde sich schon einpendeln. Unterstützend empfahl sie mir Mönchspfeffer (Tablettenform). Auch ein Ultraschall wurde nochmals durchgeführt. Organisch alle i.O.
Es folgten 3 normale Zyklen (28, 24, 27 Tage, Dauer je 5 Tage, normale Stärke). Die Mönchspfeffertabs habe ich abgesetzt, da der Zyklus mir wieder im Lot erschien. Dann der Schock, 45 Tage, 52 Tage Zyklus, dann wieder ein 24 Tage Zyklus. Also 7 von 11 Zyklen das Jahr.
Anfang 2019 Vorsorgeuntersuchung bei der FÄ. Ultraschalluntersuchung unauffällig. Da immer noch kein Zyklus, habe ich gebeten, dass sie mein Blut untersucht. Wurde gemacht. Die niederschmetternde Diagnose (ohne eine einzige Erklärung, sondern nur mittels schriftlichen Befund) „Vorzeitige Wechseljahre“ (LH > 60 und FSH > 100 , Östradiol kaum nachweisbar, Prolaktin >300) und Überweisung an eine Kinderwunsch-Klinik.

Dort wurde ich erstmal aufgeklärt zu der Diagnose und nochmals untersucht (unauffälig) und es wurde eine Blutanalyse wiederholt (Chromosomenanalyse und Mutationstest ohne Befund, alles i.O.). Die Hormonwerte waren unverändert schlecht (LH > 60 und FSH > 100 , Östradiol kaum nachweisbar, Prolaktin >300). Zusätzlich wurde das AMH bestimmt und lag mit < 0,03, wie zu erwarten war, unterhalb der Nachweisgrenze. Was die Diagnose quasi bestätigte. Daraufhin wurde mittels Pille eine Abbruchblutung „erzwungen“, um eher im Zyklus nochmals eine Blutprobe zu nehmen. Sinn und Zweck war es, zu sehen, ob durch ein „Reset“ eine eventuelle vorübergehende Funktionsruhe beendet werden kann und ob die Werte gesenkt werden können. Aber auch diese Analyse zeigte unveränderte Werte (LH > 60 und FSH > 100 , Östradiol kaum nachweisbar, Prolaktin >300, AMH < 0.03). Damit ist die Diagnose bestätigt, so schmerzlich das auch ist.
Was mich wundert, ist, dass ich noch so viele Zyklen hatte, und dass ich keinerlei Symptome der Wechseljahre habe (keine Hitzewallungen, kein verändertes Temperaturempfinden, keine Schlafstörungen, keine Antriebslosigkeit, keine Stimmungsschwankungen, kein Haarverlust, keine Trockenheit der Schleimhäute… nichts, gar nichts).

Ich erinnerte mich an den Erstbefund und die Empfehlung des ersten Labors  für einen Therapievorschlag und fragte einfach, warum das Labor das empfahl:
Cyclo-Progyn. für 3  Zyklen (alternativ Estrifam und Ultrogest, oder Merimono und Chlormadinon). Was ich aber nur bekam war ein „das können wir machen“. Mehr nicht.Jetzt habe ich das Rezept und die Tabletten und den Beipackzettel, der sich wie ein Gruselmärchen liest.


Zugegeben ich war einfach überfordert mit der Diagnose und dem Befund und den Alternativen in dem Moment. Jedenfalls kommen mir jetzt erst die Fragen in den Sinn und der nächste Termin zur Auswertung der Chromosomenanalyse ist erst Ende März. Daher wende ich mich an Sie mit meinen Fragen, mit der Hoffnung, dass Sie mir vielleicht eher einen Rat geben können:

- Ist die Einnahme von Cyclo Progynova als Hormoersatz(therapie) jetzt für mich überhaupt notwendig? Ich habe doch keine Wechseljahressymptome. Ich beuge vielleicht Osteoporose vor, aber wenn ich richtig informiert bin, steigt dafür das Brustkrebsrisiko u.a. Ich möchte ungern Pest gegen Cholera tauschen.

- Wie wende ich das Präparat an? Ohne Pause oder mit 7 tägiger Unterbrechung?

- Gibt es Alternativen?

- Was bewirken die anderen genannten alternativen Mittel?

- Warum empfiehlt das Labor 3 Zyklen für die Einnahme und die Klinik schränkt nicht ein?

- Sollten nach 3 Zyklen dann nochmal die Hormonwerte geprüft werden? Bzw. Warum soll ich jetzt CP nehmen?

Ich hoffe, Sie können die eine oder andere Frage kommentieren.

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Bisherige Antworten
Experte-Bohnet
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27.02.2019, 04:56 Uhr
Antwort von Experte-Bohnet

Es tut mir leid, dass Sie mit der Diagnose relativ spät konfrontiert wurden und bisher kein klarer Fahrbahn erstellt wurde. Es gibt inter-/ nationale Leitlinien, nach denen ich mich richte. Eine HT ist auch bei (zunächst) fehlenden Symptomen sinnvoll, um Organalterungen entgegen zu wirken. Die bekannteste "Gefahr" ist die Osteoporose. Aber es ist auch belegt, dass Frauen vor der Menopause seltener Gefäßerkrankungen, d.h. auch Herzprobleme etc. haben als später. Es gilt die Regel, so viel als notwendig, d.h. bei Ihnen geringe Mengen an Hormonen. Am besten werden die körpereigenen eingesetzt, z.B. in Form von Östradiol Gel vor dem Schlafengehen und parallel das Progesteron in Kapselform.

Das CP hat sich seit Jahrzehnten bewährt, um Menstruationen zu erzielen, ist aber sicher nicht das Mittel der Wahl mehr. Wenn Sie die Packung aufbrauchen wollen, so sehe ich kein Problem, aber danach s.o.! Die körpereigenen Hormone lösen keine Krebs aus!

Die Knochendichte sollte unbedingt dokumentiert werden und der Vit D-Spiegel gemessen.

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27.02.2019, 17:03 Uhr
Kommentar

Vielen Dank !!!
Das hilft mir schon sehr weiter!

Ich bin auch dankbar, weil Sie sich die Zeit nehmen und mir, ohne mich zu kennen, mit Ihrem Fachwissen weiterhelfen. Die Diagnose ist für mich schon schwer zu verdauen und schwer zu akzeptieren.
Wenn ich dann aber seitens meiner Ärzte keine umfassende Beratung erfahre, macht es die Sache noch schwerer. Der Erstbefund meiner Hormone wurde von meiner FÄ nicht ausgewertet, ich wurde in die Praxis bestellt und mit einem "Bei Ihnen haut wirklich gar nichts hin, ich überweise sie an eine KiWu-Klinik. Wir müssen eine Chromosomenanalyse machen" und dem schriftlichen Befund nach Hause geschickt. Dann liest man und fängt an zu googeln, um die tausend Fragen, die einem durch den Kopf schießen, beantworten zu können. Glücklicherweise habe ich sehr sehr schnell einen Termin in der KiWu bekommen, obwohl dort alles aus den Nähten platzt. Ich fühlte mich gut aufgehoben bei der Ärztin, sie war sehr behutsam. Bereits beim zweiten Termin wurde ich jedoch einfach einer anderen Ärztin zugeteilt, die über meinen Verlauf bis dato gar nicht richtig informiert war. Und bei ihr wurde ich zwar ausführlich über die Vorgänge in meinem Körper und den "normalen" Wechseljahren aufgeklärt, nicht aber über den weiteren Fahrplan für mich. Sie hat mir Cyclo Progynova nur verschrieben, weil ich danach gefragt habe. Aber wieso weshalb warum, weiß ich jetzt nur dank Ihnen. Auch von Knochendichtekontrolle wurde nichts gesagt. Alternative Methoden (EZ, Embryonenspende, Adoption) wurde mir statt dessen mitgegeben. Das ist auch wichtig, aber eben nicht alles.
Was vorzeitige Wechseljahre für mich mit 34 im weiteren Verlauf der nächsten 20 Jahre bedeutet, habe ich mir im Internet angelesen. Mit Ihrer Empfehlung, einer Liste an Fragen und mehr Selbstsicherheit gehe ich nun in den letzten Termin. Und wenn ich dort keine Antworten bekomme, werde ich mich umsehen (müssen).

Mediziner sind nicht allwissend und dass ich mit dem Befund zu den wenigen 1-4 % der Frauen gehöre, macht es den Ärzten sicher nicht leichter. Aber dann erwarte ich, dass man mich an jemanden überweist, der sich besser auskennt und mir nicht etwas verschreiben, das ich Ihnen aus Unsicherheit und Unwissenheit in den Mund gelegt habe. Wenn schon Ärzte in einer Fachklinik nicht wissen, was zu tun ist, wie soll ich es wissen?! Ich wünsche mir mehr Feingefühl für die einzelne Patientin. Es macht Angst mit 34 vor der Menopause zu stehen.

In diesem Sinne nochmals ein herzliches Dank, dass Sie sich die Zeit für mich genommen haben! Ich wünsche Ihnen alles Gute!

Experte-Bohnet
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27.02.2019, 23:46 Uhr
Antwort von Experte-Bohnet

"leider" kann ich Ihnen da nur zustimmen! Die Hormonlehre wird bei der Facharztausbildung gar nicht vermittelt und bei Kinderwunschpraxen geht es eben ums Kinderkriegen; alles Andere läuft nebenbei!

Alles Gute! Melden Sie sich bei Bedarf gerne wieder!